Die Käsepreise steigen europaweit vor dem Hintergrund einer Angebotsverknappung, während die Nachfrage für August ungewöhnlich lebhaft bleibt. Die Käseproduktion sollte zu dieser Jahreszeit auf Anschlag laufen und tut das größtenteils auch, doch die Milch dahinter wird dünner. Trockenheit und höhere Temperaturen haben die Milchanlieferung gedrückt, und auch der Fett- und Eiweißgehalt des Angelieferten ist gesunken, was die Käsemenge schmälert, die Werke tatsächlich herstellen können.
Die Verknappung zeigt sich je nach Sorte unterschiedlich. Cheddar ist dem Wettbewerb am stärksten ausgesetzt, da Europa, die USA und nun auch Neuseeland dieselbe Nachfrage bedienen. Das begrenzt den Preisspielraum nach oben, selbst wenn die europäische Produktion durch teurere Spotmilch nachlässt. Emmentaler ist bullischer geworden: Die Preisspanne hat sich deutlich geweitet, weil die Spotmilch, die früher in die Emmentaler- und Cheddarproduktion floss, versiegt. Wer eine bestimmte Sorte braucht, zahlt einen echten Aufschlag. Gouda verknappt sich aus demselben Grund, also über das Angebot und nicht über einen plötzlichen Nachfragesprung, wobei der gelieferte Käse jünger wird, je dünner die Vorabdeckung ausfällt. Mozzarella sticht heraus: Die Preise sprangen bei der GDT-Auktion dieser Woche und spiegeln sowohl die Angebotsverknappung als auch die Dringlichkeit der Nachfrage in einem warmen europäischen Sommer wider, der den Verbrauch hoch gehalten hat. Auch US-Mozzarella bleibt vergleichsweise teuer, getragen von knapper Verfügbarkeit und solider saisonaler Nachfrage.
Für den Rest des Jahres läuft alles auf eine Variable hinaus: die Milch. Bleibt die Anlieferung in Europa, den USA und Neuseeland ungefähr auf dem aktuellen Stand, sollte die Käseverfügbarkeit beherrschbar bleiben. Fällt sie weiter, könnte der Markt für Käse bald Preise über 4.000 EUR je Tonne sehen. Mozzarella dürfte relativ betrachtet der teuerste Käse bleiben, zumindest bis zum Ende des dritten Quartals, während Cheddar wegen seiner Exportabhängigkeit die günstigste Ecke des Marktes bleibt. Gouda und Emmentaler liegen dazwischen und tendieren beide fester, während sich der Milchmangel durch den restlichen Komplex arbeitet.


