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Käsepreise geben nach, weil die Produktion der Nachfrage davonläuft

US-Cheddar und Mozzarella drücken die Käsepreise, weil die Produktion schneller wächst als die Nachfrage. US-Käsebestände im August: +2,3 % zum Vorjahr.

Jasper Endlich
Jasper EndlichAnalyst für Milchprodukte und Öle
2. Oktober 20262 Min. Lesezeit

Die Käsemärkte verlieren langsam an Schwung. Dramatisch ist die Bewegung nicht, doch bei mehreren Sorten ist die Tendenz schwächer geworden. US-Cheddar führt den Rückgang an, EU- und US-Mozzarella ziehen mit, während die übrigen Käsesorten mit Abstand folgen. Einige Hersteller und Händler senken ihre Preise bereits in Erwartung weiterer Rückgänge, doch weil sich der Markt über die Richtung uneinig ist, halten sich andere noch zurück.

Der Grund ist, dass das Angebot die Nachfrage übersteigt. Die Produktion wächst seit Monaten, und nun lässt auch die Nachfrage etwas nach. Das ist zum Teil saisonal bedingt, vor allem bei Mozzarella. Zum Teil liegt es an der Inflation: Käse ist deutlich günstiger als vor einem Jahr, aber vieles andere im Warenkorb ist teurer geworden. Die Unterscheidung ist wichtig: Die Preise sinken, weil die Nachfrage mit dem Produktionswachstum nicht Schritt halten kann, und nicht, weil weniger Käse gegessen wird.

Die Vereinigten Staaten lasten stärker auf dem Weltmarkt. Die Käsereien laufen unter Volllast, um von den sehr hohen Molkenpreisen zu profitieren, und Käse wirkt dabei zunehmend wie das Nebenprodukt. Die US-Käsebestände stiegen im August entgegen dem saisonalen Muster auf 1,44 Milliarden Pfund und lagen damit 2,3 % über dem Vorjahr, obwohl die Exporte Rekordniveau erreichten. Mozzarella verzeichnet das stärkste Produktionswachstum aller US-Käsesorten: plus 2,9 % zum Vorjahr gegenüber 2,1 % für alle Sorten zusammen.

Dieses US-Angebot macht den europäischen Verkäufern das Leben schwer. US-Cheddar wird mit einem deutlichen Abschlag von rund 1.400 USD/mt gegenüber europäischer Ware gehandelt, wodurch EU-Cheddar weitgehend aus den Exportmärkten herausgepreist ist. Auch die Exporte von EU-Mozzarella bleiben hinter den Erwartungen zurück, denn der US-Preis liegt etwa 800 USD/mt unter dem EU-Niveau. In Europa führt Mozzarella die schwächere Tendenz an, seit das Sommergeschäft vorüber ist und die Gastronomie unter der hohen Inflation weniger abnimmt. EU-Cheddar hält sich besser, da die saisonal geringere Milchanlieferung im Vereinigten Königreich und in Irland die Verfügbarkeit vergleichsweise knapp hält.

Gouda hatte sich in der ersten Septemberhälfte stabilisiert und beginnt nun nachzugeben, weil eine gute Milchanlieferung auf Einkäufer trifft, die ihren Bedarf für das Jahr bereits größtenteils gedeckt haben. Emmentaler bewegt sich weiter im Gleichschritt mit dem gesamten Käsemarkt, wobei noch reichlich Ware aus dem früheren Jahresverlauf angeboten wird.

Für das vierte Quartal ist eher mit einem allmählichen Abbröckeln als mit einer scharfen Korrektur zu rechnen. Die vollständige Analyse liefert die Details nach Sorten, einschließlich der Frage, wo den einzelnen Märkten bislang der Impuls für eine Trendwende fehlt.