Die Londoner Kakao-Futures haben sich in der vergangenen Woche kaum bewegt. Der März-Kontrakt stieg gegenüber dem Schlusskurs des Freitags davor um 3 GBP oder 0,1 % und liegt 1,4 % unter seinem Stand von vor einem Monat. New York März war im Wochenvergleich unverändert und im Monatsvergleich 4,6 % niedriger. Martijn Bron, der den zweiwöchentlichen Kakaomarktbericht von Vesper schreibt, sieht den Markt zwischen Baum und Borke: Die Sorge vor El Niño könnte eine Rallye rechtfertigen, die Verfassung der Verbraucher dagegen nicht, und das könnte erklären, warum sich die Preise so wenig bewegt haben.
Angebotssorgen ohne breiten Beleg
Meteorologen halten einen starken bis sehr starken El Niño von Januar bis März 2027 für wahrscheinlich; die Wahrscheinlichkeit liegt weiterhin über 83 %. Analysten von Goldman Sachs zufolge erhöht ein möglicherweise rekordverdächtiges Ereignis das Risiko einer schwachen Ernte in Westafrika, und der physische Markt dürfte auf eine Knappheit schlechter vorbereitet sein als 2023/24, da die Lagerbestände niedriger sind und die Nachfragezerstörung bereits hinter ihm liegt. Eine Rückkehr zu den Höchstständen von 2024 bei rund 12.000 USD/mt erwarten sie nicht, weil eine bessere Liquidität einen Preissprung dieser Größenordnung unwahrscheinlicher macht.
Bron weist darauf hin, dass Kakao-Futures in der Regel von Angebotsschocks getrieben werden und dass der Markt einen solchen Schock derzeit zwar fürchtet, es dafür aber noch keine breiten Belege gibt. Die Börsenbestände der ICE New York stiegen auf 3,55 Millionen Säcke, rund 231.000 Tonnen, und die Lagerhausbestände in den USA liegen auf einem Zweijahreshoch. Spekulanten setzten verstärkt auf fallende Preise: Die kombinierte Netto-Short-Position von Managed Money in London und New York weitete sich um 6.700 Kontrakte auf 19.100 Kontrakte aus.
Der Druck zeigt sich bei der Nachfrage
Die Schokoladenhersteller bekommen das zu spüren. Lindt & Sprüngli senkte seine Prognose für das Umsatzwachstum 2026 erneut und erwartet nun ein organisches Wachstum von 0 % bis 2 % nach zuvor 4 % bis 6 %. Die Aktie verlor in Zürich fast 9 %. Das Unternehmen verwies auf Bestellvolumen im Saisongeschäft, die niedriger ausfielen als erwartet; am stärksten betroffen waren die Schweiz, Deutschland und Österreich. Bron führt die schwache Schokoladennachfrage auf die hohen Lebenshaltungskosten zurück und auf Regierungen, die unter Haushaltsdruck nach höheren Steuereinnahmen suchen. Den besten Weg, die Inflation zu senken, sieht er in einem Ende der Konflikte im Osten und im Nahen Osten.
In Ghana nahm Cocobod mit seinem ersten Verkauf von Kakao-Geldmarktpapieren seit seinem Zahlungsausfall 3,39 Milliarden Cedi ein, rund 289 Millionen USD, bei einem Kupon von 11 %. Die erste Tranche war zu diesem Zinssatz allerdings nicht vollständig gezeichnet. Ob die Finanzierung den Fluss der Kakaobohnen in dieser Saison bremst, bleibt abzuwarten.
Der vollständige Bericht behandelt außerdem die Anlieferungen in der Elfenbeinküste, die Vermahlungsdaten aus Brasilien, die Expansionspläne von Barry Callebaut in der Elfenbeinküste und neue EU-Regeln für Nachhaltigkeitslabels.


