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Ein Rübengürtel, zwei Ernten: EU-Zuckerpreise werden uneinheitlich

Frankreich könnte 65 bis 70 Tonnen Rüben je Hektar ernten, gegenüber 90 im Vorjahr; Belgien bleibt nahe 90. Einige Erzeuger haben Angebote zurückgezogen.

Roger Bradshaw
Roger BradshawAnalyst für Zucker und Soft Commodities
7. September 20262 Min. Lesezeit

Europas Rübenernte wird normalerweise als eine einzige Zahl besprochen. In dieser Saison funktioniert das nicht mehr, weil die Ernte im Westen des Rübengürtels und jene weiter östlich nicht mehr dieselbe sind.

In Frankreich rechnen manche Anbauer inzwischen mit 65 bis 70 Tonnen je Hektar, gegenüber 90 Tonnen in der vergangenen Saison. Der Bauernverband FNSEA hat die Regierung um eine Ausgleichszahlung von 430 EUR gebeten, um Ernteausfälle abzudecken: Rüben werden auf mindestens 20 % im Minus geschätzt, Mais auf 45 %, Kartoffeln auf 20 % und Heu auf 11 %. In Großbritannien liegt die Ernte den Schätzungen zufolge stellenweise um bis zu 26 % zurück, wobei Cambridgeshire, Norfolk und Suffolk am stärksten betroffen sind und Lincolnshire weiter nördlich bessere Erträge meldet.

Weiter östlich ändert sich das Bild. ISCAL in Belgien meldet Rübenerträge von bis zu 90 Tonnen je Hektar. Royal Cosun in den Niederlanden beziffert den Zuckerertrag auf 13,6 Tonnen je Hektar, im Einklang mit seinem Fünfjahresdurchschnitt, und die Bedingungen in Norddeutschland und Polen wirken zufriedenstellender. Die Kampagne beginnt in den kommenden Wochen; erst dann wird sich zeigen, wie es um die Qualität der Rüben steht, die in den Werken verarbeitet werden.

Die Erholung auf den Feldern ist meist nur oberflächlich

Regen in den vergangenen zwei Wochen hat die am stärksten betroffenen Felder grüner und gesünder aussehen lassen als noch vor zwei Wochen, doch die Verbesserung ist größtenteils oberflächlich. Energie hat sich von den Wurzeln in die Blätter verlagert, sodass die Pflanzen kaum mehr Saccharose bilden, und ein zu geringer Pflanzenbestand lässt sich zu diesem späten Zeitpunkt der Saison nicht mehr ausgleichen.

Der für die kommende Woche vorhergesagte stärkere Regen ist aus einem anderen Grund bedeutsam. Unterhalb der obersten Bodenschicht ist der Boden nahezu fest, und Rüben aus diesem noch nicht aufgeweichten Boden zu roden, erschwert die Ernte und macht sie langwieriger und teurer. Hinzu kommt, dass sich Cercospora unter den feuchten Bedingungen ausgebreitet hat, dass sich Rübenderbrüssler in Frankreich verbreiten und dass britische Anbauer erstmals mit Heerwürmern in Rüben zu tun haben.

Was das für Einkäufer bedeutet

Die praktische Folge zeigt sich darin, wie Zucker derzeit angeboten wird. Mehrere Erzeuger haben ihre Angebote zurückgezogen, während sie auf ein verlässlicheres Bild ihrer eigenen Produktion warten, was es derzeit schwer macht, einen sinnvollen Wert festzulegen.

Die Preisbildung wird dadurch zunehmend asymmetrisch. Erzeuger mit einer ordentlichen Ernte können die Gelegenheit begrüßen, Preise oberhalb des Budgets der Einkäufer festzuschreiben, zumal die Bestände weiterhin nahe einer Million Tonnen über dem Durchschnitt liegen, während jene mit einer kurzen Kampagne das schlicht nicht wagen. Endabnehmer wenden sich zunehmend den Erzeugern zu, deren Produktionsausblick insgesamt besser aussieht.

Die strukturelle Nachricht unter alldem kam von Nordzucker: Das Unternehmen wird Naksov, eine seiner beiden verbliebenen dänischen Fabriken, nach dieser Kampagne schließen. Im Mai hatte das Unternehmen erklärt, es wolle die Rohrzuckerproduktion außerhalb der EU auf rund die Hälfte seiner Gesamtproduktion steigern.