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Das Patt bei WPC80 bröckelt, MPC 85 übernimmt die Führung

Die Einkäufer halten sich bei WPC80 zurück und die Angebote rutschen, während MPC 85 in Europa, den USA und Neuseeland bis Jahresende praktisch ausverkauft ist.

Jasper Endlich
Jasper EndlichAnalyst für Milchprodukte und Öle
9. September 20262 Min. Lesezeit

Das Patt zwischen Einkäufern und Verkäufern, das WPC80 seit Wochen prägt, verschärft sich, und die ersten Anzeichen von Schwäche werden sichtbar. Die europäischen Preise stehen vor allem deshalb still, weil so wenig gehandelt wird. Die Einkäufer bleiben hart und schließen auf dem aktuellen Niveau nichts ab, während die westeuropäischen Verkäufer ihre Forderungen halten. Die Bewegung kommt von anderer Seite: Osteuropäische Verkäufer, westeuropäische Händler und US-Hersteller bieten unterhalb des westeuropäischen Niveaus an, und die Einkäufer nehmen dort entweder kleinere Mengen ab oder warten, in der Erwartung, dass die Preise bis zum Jahresende weiter fallen. Monat für Monat zu kaufen, statt sich auf ein ganzes Quartal festzulegen, ist die bevorzugte Taktik.

US-Ware liegt deutlich unter dem westeuropäischen wie dem osteuropäischen Niveau, was den Export nach Europa wieder lohnend macht. Die US-Preise selbst haben sich stabilisiert, wobei noch Mengen abfließen müssen, bevor neue Produktionskapazität ans Netz geht und das Inlandsangebot zusätzlich erhöht. Vesper hat seine Einschätzung zu WPC80 so deutlich nach unten gedreht wie seit Monaten nicht mehr. Da der breitere Proteinkomplex weiterhin fest ist, liest sich das jedoch als Abkühlung und nicht als Einbruch.

Molkenproteinisolat folgt. Europäisches WPI hält einen erheblichen Aufschlag gegenüber WPC80, trifft aber auf wenig Nachfrage, teils wegen Reformulierung, teils weil die Einkäufer künftig niedrigere Preise erwarten. Nur wenige europäische Hersteller produzieren WPI auf Lager; sie produzieren es erst, wenn der Aufschlag gegenüber WPC80 auch bezahlt wird, was die beiden Ausblicke direkt aneinanderbindet. Die Angebotspreise geben Woche für Woche nach, auch ohne dass viel Handel das bestätigen würde.

MPC 85 ist das Einzige, das noch steigt

MPC 85 ist in diesem Quartal das bullischste Produkt im Komplex, mit Mengen, die in Europa, den USA und Neuseeland für den Rest des Jahres praktisch ausverkauft sind. Die Verkäufer heben ihre Preise nahezu wöchentlich an und finden weiterhin Abnehmer. Die Reformulierung weg von WPC80 hin zu MPC 85 und anderen Milchproteinen hebt die Nachfrage strukturell an, und Vespers Vergleich sitzt: Der Markt ähnelt zunehmend dem WPC80 von vor einigen Monaten, einer Produktionsbasis, die nie für die Nachfrage ausgelegt war, die jetzt ankommt.

Diese Verschiebung hat Folgewirkungen. Je mehr Milcheiweiß in MPC und ultrafiltrierte Milch geht, desto weniger Magermilchkonzentrat und Magermilch bleiben verfügbar, was die Kostenbasis unter diesen Produkten und unter Magermilchpulver anhebt.

Unterdessen zeigen Süßmolkenpulver, Laktose und Molkenpermeat allesamt nach oben, aus dem einfachen Grund, dass die günstigen Angebote weg sind und zahlen muss, wer noch Deckung braucht. Europäisches Molkenpulver zog schnell an, weil ungedeckte Einkäufer für ihren Spot- und Q4-Bedarf zurückkamen. Auch Molkenpulver aus den USA zieht an, gestützt von teurerer europäischer Ware und anhaltenden asiatischen Käufen, wobei die US-Molkenpulverexporte von Januar bis Juli 54,7 % über dem Vorjahr lagen.