Milchprodukte

Durch die komplexe Welt der Milchrohstoffe mit Marc Perathoner von FrieslandCampina

Marc Perathoner von FrieslandCampina über den Parketthandel in Chicago, die Steuerung von Milchpreisrisiken und was der algorithmische Handel verändert hat.

Vesper Team
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Veröffentlicht 18. Juli 2024 · Aktualisiert 2. Oktober 20244 Min. Lesezeit

In der neuesten Folge des Strong Source Podcasts hatten wir das Vergnügen, mit Marc Perathoner zu sprechen, Director of Commodity Risk Management bei FrieslandCampina, einem der größten Unternehmen der Milchwirtschaft in den Niederlanden. Marcs Weg von einer Kleinstadt in den Dolomiten in Italien auf die Handelsparkette von Chicago und schließlich in seine heutige Rolle in der Milchwirtschaft ist schlicht faszinierend.

Von den Skipisten aufs Handelsparkett

Marcs Werdegang ist ebenso einzigartig wie inspirierend. Zunächst Profiskifahrer, nahm Marcs Leben nach einem schweren Unfall eine dramatische Wendung, die am Ende seinen Weg veränderte. Dieses Ereignis führte ihn in die Vereinigten Staaten, wo er in Salt Lake City ein Studium der Finanzwirtschaft abschloss. Seine Karriere begann zwar bei Goldman Sachs, doch es war seine Leidenschaft für den Handel, die ihn aus dem strukturierten Umfeld des Investmentbankings in die dynamischere Welt des Rohstoffhandels wechseln ließ. Marc erinnerte sich, er habe „immer eine Leidenschaft für Märkte und den Handel gehabt“, und durch einen glücklichen Zufall brachte ihn das Skifahren mit jemandem zusammen, der ihm beim Einstieg in die Welt des Handels half.

Überleben und Erfolg in der Welt des Handels

Marc berichtete von seinen Erfahrungen auf dem Parkett des Chicago Board of Trade, wo er seine Fähigkeiten im Risikomanagement schärfte und seinen ganz eigenen Handelsstil entwickelte. Er merkte an, dass „am Ende alle Märkte fundamental getrieben sind“, und unterstrich damit, wie wichtig es ist, die Marktdynamik zu verstehen und einen eigenen Zugang zum Handel zu finden, etwas, das sich nicht einfach lehren lässt, sondern durch Erfahrung entdeckt werden muss. Diese Anpassungsfähigkeit war entscheidend, besonders beim Übergang vom Parketthandel zum elektronischen Handel, einem Wandel, der seine Laufbahn erheblich beeinflusst hat.

Der Wechsel zu Milchrohstoffen

Nachdem die CME die Handelsparkette geschlossen hatte, ging Marc zurück nach Europa, wo er in der Milchwirtschaft eine neue Herausforderung fand. Bei FrieslandCampina überträgt Marc die Grundsätze des Risikomanagements, die er auf dem Parkett entwickelt hat, auf den Markt für Milchrohstoffe, den er wegen seiner besonderen Lieferkettendynamik als zugleich fragmentiert und komplex beschreibt. Für Marc geht es „immer um Risikomanagement“; er betont, dass ein Händler zuallererst ein hervorragender Risikomanager sein muss, ein Grundsatz, den er in seine heutige Rolle mitnimmt.

Den Milchmarkt verstehen

Im Gespräch ging Marc auf die Feinheiten des Milchmarkts ein und hob hervor, dass nur ein kleiner Prozentsatz der weltweiten Milchproduktion international gehandelt wird. Daraus entstehen eigene Herausforderungen und Chancen, denn schon ein kleines Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage kann erhebliche Preisturbulenzen auslösen. Marc zufolge ist „die Milchwirtschaft faszinierend wegen ihres fragmentierten Marktes und der besonderen Lieferkettendynamik“, was sie zu einem komplexen und zugleich spannenden Sektor macht, in dem man sich zurechtfinden muss.

Risikomanagement und Marktdynamik

Risikomanagement bleibt ein Eckpfeiler von Marcs Vorgehen, gerade im volatilen Milchmarkt. FrieslandCampina nutzt verschiedene Instrumente und Strategien zur Risikosteuerung, darunter regelmäßige Berichte zur Risikoposition, Value-at-Risk-Limits (VaR) und Handelsmeetings, um sich auf Markteinschätzungen und die gewünschten Risikopositionen zu verständigen. Marc betonte, dass „Volatilität ein Zeichen für einen gesunden Markt ist“, und dass es darauf ankommt, lange genug im Spiel zu bleiben, um sie zu nutzen.

Die Rolle von Technologie und algorithmischem Handel

Das Gespräch berührte auch, wie Technologie und algorithmischer Handel auf die Rohstoffmärkte wirken. Marc räumte die Herausforderungen ein, die der algorithmische Handel mit sich bringt, erkannte aber ebenso dessen Rolle bei der Steigerung der Markteffizienz an. Er merkte an, dass „der algorithmische Handel die Märkte effizienter gemacht hat“. Zugleich verlangt der algorithmische Handel Händlern ab, ihre Strategien anzupassen und zu verfeinern, um in einer zunehmend automatisierten Welt wettbewerbsfähig zu bleiben.

Karrieretipps für angehende Rohstoffhändler

Aus seiner umfangreichen Erfahrung heraus gab Marc jungen Berufstätigen, die in den Rohstoffhandel einsteigen wollen, wertvolle Ratschläge mit. Er ermutigte sie, ein echtes Interesse an Märkten zu entwickeln, diszipliniert zu bleiben und beständig nach Wissen zu suchen. Marc riet angehenden Händlern, „ein echtes Interesse an Märkten und am Handel zu entwickeln“, und betonte, wie wichtig es ist, einen eigenen Handelsstil zu finden und dabei das Risikomanagement immer an die erste Stelle zu setzen.

Abschließende Gedanken: durch die immer neuen Wellen des Rohstoffhandels

Marcs Weg ist ein Beleg dafür, welchen Wert Ausdauer, Anpassungsfähigkeit und ständiges Lernen in der sich immer weiter wandelnden Welt der Rohstoffe haben. Ob Sie als junge Fachkraft in die Branche einsteigen wollen oder ein erfahrener Händler sind: Aus Marcs Geschichte und seinem Umgang mit Risiko und Marktdynamik lässt sich viel lernen. Marc hat es klug formuliert: „Märkte entwickeln sich ständig weiter, und das sollten Sie auch […] bleiben Sie neugierig, bleiben Sie diszipliniert, und seien Sie immer auf das Unerwartete gefasst.“

Hören Sie die ganze Folge, um mehr über Marcs Weg und seine Einblicke in die Welt des Rohstoffhandels zu erfahren:

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Was ist der Strong Source Podcast?

Unsere Mission mit dem Strong Source Podcast ist es, zu informieren und Wissen zu vermitteln, indem wir eine Community schaffen, in der Fachleute und Gäste aus der gesamten Rohstoffbranche ihre eigene Sicht teilen können. Martijn Bron, früherer Kakaohändler, und Alexander Sterk, früherer Händler für Milchprodukte und Gründer von Vesper, verbindet eine tiefe Leidenschaft für diese Branche, und daraus ist dieses Projekt entstanden: „Wir teilen unsere persönlichen Erfahrungen, die wertvollen Lektionen, die wir unterwegs gelernt haben, und geben Ihnen einen Vorgeschmack darauf, was in unseren nächsten Folgen kommt.“ Dieser Podcast wird unterstützt von Vesper, der führenden Rohstoffplattform (www.vespertool.com).