Die US-amerikanische Broilerbranche steckt mitten in einem der aggressivsten Expansionszyklen des vergangenen Vierteljahrhunderts, und sie ist inzwischen groß genug, dass die anderen Tierproteinsparten aufmerksam hinschauen.
Die bratfertige Broilerproduktion lag im Juli 4,6 % über dem Vorjahr und liegt über die ersten sieben Monate mit 28,77 Milliarden Pfund 4,2 % über dem Vorjahrestempo. Laut LEAP Market Analytics hat es seit 2004 keinen Anstieg von mindestens 4,0 % über ein volles Kalenderjahr mehr gegeben, und nur drei Jahre der vergangenen zwei Jahrzehnte lagen über 3,0 %, zuletzt 2019.
Das Tempo lässt allerdings deutlich nach. Im Juli schlüpften 887 Millionen Broilerküken, nur 0,7 % mehr als im Vorjahr, und die wöchentlichen Kükeneinstallungen deuten zuletzt in dieselbe Richtung. Die Produktivität fängt einen Teil davon auf: Die bessere Überlebensrate dürfte die Tierzahlen in diesem Jahr um mindestens 0,5 % heben, und leicht höhere Endgewichte polstern das Volumen zusätzlich. Auf dieser Basis könnte die bratfertige Produktion bis in den Herbst weiterhin um die 2,0 % über dem Vorjahr liegen, selbst wenn die Schlupfzahlen nur 1,0 % zulegen. LEAP erwartet eine Verlangsamung des Wachstums auf 0,7 % im Jahr 2027.
Die Exporte nehmen das zusätzliche Fleisch nicht auf. Die US-Broilerausfuhren sind in jedem der vergangenen fünf Jahre gesunken, und obwohl die kumulierten Mengen bis Juni 0,7 % über dem Tempo von 2025 liegen, bleiben sie damit deutlich hinter dem Anstieg der Produktion zurück. Der Exportanteil an der Produktion schrumpft weiter, sodass mehr vom Tier im Inland bleibt. Die Pro-Kopf-Verfügbarkeit von Broilerfleisch dürfte in diesem Jahr um 3,5 % auf 75,5 Pfund ohne Knochen steigen, 19 % über dem Stand von 2016 und der drittgrößte Jahreszuwachs dieses Jahrhunderts.
Die Großhandelspreise spiegeln das wider. Der gewichtete durchschnittliche Zerlegewert, den LEAP schätzt, bewegt sich im mittleren bis oberen 70-US-Cent-Bereich je Pfund, nach mehr als 1,10 USD um diese Zeit im Vorjahr. Der Schaden verteilt sich ungleich: Die vordere Hälfte des Tieres hat unverhältnismäßig stärker gelitten als die hintere, wobei Innenfilets und Hähnchenflügel den gesamten Komplex nach unten ziehen.
Zwei Kräfte stehen sich im Ausblick gegenüber. Die derzeitige Flucht der Verbraucher zu günstigeren Angeboten sollte Hähnchen zugutekommen, und LEAP rechnet in diesem Segment im kommenden Jahr mit stärkerer Nachfrage. Die Futtermittelmärkte bilden das Gegengewicht, und insbesondere Mais ist plötzlich zu einer drängenden Sorge geworden.


