Die EU-Hähnchenpreise haben die dritte Woche in Folge nachgegeben: Der EU-27-Durchschnitt für Masthähnchen lag in Woche 40 bei 187 EUR/100 kg, 0,5 % weniger als in der Vorwoche. Damit liegt er zwar weiterhin deutlich über dem Zehnjahresdurchschnitt, aber klar unter den Rekordständen von 2025. Die Analyse von Vesper führt den Rückgang auf das Angebot zurück: Die EU-Erzeugung hat in den vergangenen Monaten wiederholt den höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht, die polnischen Preise fielen in Woche 32 unter ihren Zehnjahresdurchschnitt, und der saisonal schwächere Verbrauch lässt wenig Spielraum, um die zusätzlichen Mengen aufzunehmen.
Die Newcastle-Krankheit breitet sich aus
Gleichzeitig wächst das Seuchenrisiko. Europa hat 2026 bislang 157 Ausbrüche der Newcastle-Krankheit gemeldet, nach 153 eine Woche zuvor, und damit so viele wie seit 20 Jahren nicht. Der Großteil entfällt auf Deutschland (55), Polen (54) und Spanien (40), und in Ungarn (8) steigt die Zahl inzwischen rasch.
Welche Folgen das für die Preise hat, hängt davon ab, welche Betriebe betroffen sind. Die meisten noch laufenden Fälle in Polen betreffen Legehennenbetriebe, daher erwartet Vesper von dort keinen nennenswerten Effekt auf die Masthähnchenpreise. In Spanien ist die Lage anders: 34 der 40 Ausbrüche sind noch nicht erloschen, darunter 23 in Masthähnchenbetrieben in Kastilien und León und drei in der Region Valencia, die nun eine zweite Welle erlebt. Alle acht Ausbrüche in Ungarn liegen im Komitat Bács-Kiskun, einer der wichtigsten Geflügelregionen des Landes. Damit ist das Komitat der am schnellsten wachsende Ausbruchsschwerpunkt der Newcastle-Krankheit in der EU. Vesper erwartet, dass sowohl die spanischen als auch die ungarischen Ausbrüche das Angebot aus den betroffenen Regionen verringern.
Bei der Vogelgrippe ist es in diesem Jahr ruhiger, in dieser Woche gab es keine neuen Ausbrüche in Geflügelbetrieben. Die Nachweise bei Wildvögeln in der EU und im Vereinigten Königreich sind jedoch von einem bis drei pro Woche auf 12 in der letzten Septemberwoche gestiegen, und mit dem fortschreitenden Vogelzug werden weitere Ausbrüche in Betrieben erwartet. Zudem wird ein neues EU-Einfuhrverbot für brasilianisches Geflügel die Importe weiter senken.
Das kommende Quartal
Unterm Strich erwartet die Analyse von Vesper, dass die Preise im vierten Quartal weiter nachgeben und sich im ersten Quartal 2027 stabilisieren, wobei hohe Energiekosten sie über ihrem Zehnjahresdurchschnitt halten. Die vollständige Analyse enthält die Details zu den Ausbrüchen nach Ländern sowie den Handelsausblick für Brasilien, Thailand und die USA.


