Der süddeutsche Rübenanbauerverband VSZ rechnet inzwischen mit einem historischen Ernteausfall, bei dem einzelne Anbauer vor einem Totalverlust stehen. Besonders betroffene Regionen wie das Rhein-Main-Gebiet, Baden-Württemberg und Franken werden nahezu keine vermarktbare Ernte hervorbringen. Frankreichs Bild ist ebenso düster, und das des Vereinigten Königreichs nicht besser: Im August besichtigte Felder in Suffolk zeigten geringe Bestandsdichte und untergroße Rüben, wobei die Erntekosten auf manchen Schlägen inzwischen jeden Ertrag übersteigen. Cosun in den Niederlanden hat den Kampagnenstart in der Hoffnung auf eine Besserung um eine Woche verschoben. Italien hat am 20. August in Minerbio bereits begonnen.
Das Ausmaß des Defizits drängt die Region zu Importen, die sie seit Jahren nicht gebraucht hat. Bei einer angenommenen Rübenernte in EU und UK von höchstens 14,1 Millionen Tonnen schätzt Vesper den Importbedarf der Region auf rund 3,4 Millionen Tonnen, mit brasilianischem VHP-Zucker unter den Handelsregelungen von MERCOSUR und CXL als Referenzwert für den Ersatz. Die Ukraine wirbt bereits für einen besseren Zugang. Das Vereinigte Königreich steht auf dem Papier ordentlich da, mit einem autonomen Zollkontingent von 325.000 Tonnen sowie einer ungenutzten australischen Freihandelszuteilung von 140.000 Tonnen für den Rest des Jahres 2026 und 160.000 Tonnen im Jahr 2027, auch wenn australischer Zucker wegen Fracht und Fernost-Preisbildung einen Aufschlag gegenüber anderen Herkünften trüge.
Große paneuropäische Abnehmer sind vorerst weitgehend auf aktuellem Marktniveau eingedeckt; mittelgroße Abnehmer nur etwa zur Hälfte, und genau dort dürfte der Großteil der frischen Importnachfrage landen. Denkbar ist auch, dass die Europäische Kommission ihre Regeln zum aktiven Veredelungsverkehr lockert, wenn die derzeitige Aussetzung im November zur planmäßigen Halbjahresüberprüfung ansteht, ein Schritt, der den kurzfristigen Versorgungsdruck mildern würde, am längerfristigen Problem aber nichts ändert: einer Region, deren Anbauer zunehmend mehrjährige Preissicherheit brauchen, um Investitionen in Bewässerungsinfrastruktur zu rechtfertigen, deren Installation rund 25.000 EUR je Hektar kostet.
Für die Verarbeiter bedeuten mehr Importe und höhere Preise nicht zwangsläufig eine Rückkehr zur Rentabilität. Zucker wird über die Menge bepreist, und geringere Ausbeute in Verbindung mit höheren Extraktionskosten aus kleineren, trockenheitsgestressten Rüben dürfte den Vorteil festerer Preise für das, was von der diesjährigen Ernte übrig ist, überwiegen.


