Energie

Von den Handelsparketten zu Clean Tech: Boudewijn van Vliets Weg durch die Welt der Rohstoffe

Boudewijn van Vliets Wechsel vom Rohstoffhandel zu Clean Tech: die Herausforderungen unterwegs und seine Vision einer nachhaltigen Energiezukunft.

Vesper Team
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Veröffentlicht 15. März 2024 · Aktualisiert 3. August 20265 Min. Lesezeit

In der neuesten Folge des Strong Source Podcasts hatten wir das Vergnügen, mit Boudewijn van Vliet zu sprechen, einem erfahrenen Rohstoffhändler mit über 20 Jahren Erfahrung. Boudewijns Werdegang ist alles andere als typisch: vom Handel an einigen der volatilsten Märkte der Welt bis hin zum Unternehmer im Clean-Tech-Bereich. Seine Geschichte bietet unschätzbar wertvolle Einblicke für alle, die sich für die dynamische und oft unberechenbare Welt der Rohstoffe interessieren.

Wie alles begann: ein unkonventioneller Einstieg in die Welt der Rohstoffe

Wie viele in der Branche hatte Boudewijn keinen großen Plan, in die Welt der Rohstoffe einzusteigen. „Ich bekam ein Jobangebot bei einem Commodity Trading Advisor, einer speziellen Art von Hedgefonds. Davor hatte ich keinen großen Plan, in Rohstoffe zu gehen. Aber als ich einmal drin war, hat es mich gepackt“, erinnert er sich. Dass Boudewijn früh mit einer breiten Palette von Futures-Märkten in Berührung kam (von Sojabohnen bis Schweinebäuchen), gab ihm einen weiten Blick auf die globalen Märkte.

Es dauerte allerdings nicht lange, bis Boudewijn merkte, dass Handel mehr ist als nur das Ausführen computergenerierter Orders. „Was mir fehlte, waren die echten Handelsentscheidungen“, sagt er, eine Erkenntnis, die ihn schließlich dazu brachte, sich erneut bei Cargill zu bewerben, einem der Riesen im Rohstoffhandel.

Handel bei Cargill: ein Fundament aus Teamarbeit

Boudewijns Zeit bei Cargill legte das Fundament. „Cargill war ein Ort, an dem man Teil eines großen Teams war, das Fundamentalanalyse betrieb, in einem großen Unternehmen mit viel Informationsfluss. Damit kam aber auch die Herausforderung, zu bestimmen, welche Informationen für den Markt relevant waren“, erklärt er. Diese Fülle an Informationen war zwar zeitweise überwältigend, aber entscheidend für die Entwicklung seiner Handelsstrategien.

Er ging außerdem auf die Bedeutung von Futures an den Rohstoffmärkten ein, ein Thema, das Neulinge in diesem Feld oft verwirrt. „Futures sind ein effizientes Produkt, ursprünglich im Agrarbereich erfunden, um das Risiko zu steuern, dass Ernten alle auf einmal auf den Markt kommen“, erklärt Boudewijn. Dieses Instrument, das Kontrakte standardisiert und das Gegenparteirisiko beseitigt, ist unverzichtbar, um Liquidität und Stabilität an den Märkten zu erhalten.

Der Wechsel zur Fracht: eine andere Art von Handel

Nachdem er umfangreiche Erfahrung im Handel mit Getreide und Ölsaaten gesammelt hatte, vollzog Boudewijn einen deutlichen Wechsel zum Frachthandel. „Fracht ist eine völlig andere Welt“, merkt er an. Anders als Rohstoffe, die produziert und verbraucht werden, geht es bei Fracht um Kapazität: konkret um die Kapazität, Güter von einem Teil der Welt in einen anderen zu bringen.

Er denkt über die besonderen Herausforderungen dieses Marktes nach, vor allem über die Effekte von Überlastung und Nachfrageschwankungen. „Wenn in der Fracht die Nachfrage steigt, brauchen plötzlich alle Schiffe in denselben Häfen, was zu Überlastung führt, genau dann, wenn das Angebot am dringendsten gebraucht wird“, erklärt Boudewijn. Diese Dynamik kann den Markt außer Kontrolle geraten lassen und schafft dabei sowohl Chancen als auch Risiken.

Auf eigene Faust: der Übergang zum Handel als Einzelner

Einer der bedeutendsten Wechsel in Boudewijns Laufbahn kam, als er vom Handel im Team zum Handel als Einzelner bei einer Bank überging. „Es war erfrischend, weil es kein Versteck gab. Man musste seine eigenen Entscheidungen treffen und mit den Folgen leben“, sagt er. Dieser Schritt war zeitweise isolierend, erlaubte ihm aber, seine Fähigkeiten im Handel weiter zu schärfen, allein gestützt auf sein eigenes Urteil und seine Marktanalyse.

Boudewijn erkennt aber auch an, wie wichtig es ist, Teil eines Teams zu sein, gerade für alle, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen. „Ich habe bei Cargill viel über den Handel im Team gelernt. Es ist, als stünde man gemeinsam in den Schützengräben; das schafft eine Verbundenheit, die noch lange hält, nachdem man gegangen ist“, berichtet er.

Unternehmertum und die Clean-Tech-Revolution

In der späteren Phase seiner Laufbahn vollzog Boudewijn einen weiteren bedeutenden Wechsel, diesmal vom Handel zum Unternehmertum im Clean-Tech-Sektor. „Ich traf jemanden, der mir erzählte, man könne Kunststoffabfälle nehmen und sie wieder in Rohöl verwandeln. Die Idee hat sofort gezündet, weil sie ein gewaltiges globales Problem angeht und zugleich eine klare Geschäftschance bietet“, sagt er.

Boudewijn wurde Investor und Manager bei Prime, einem Unternehmen, das sich darauf konzentriert, Kunststoffabfälle über ein Verfahren namens Pyrolyse in Öl umzuwandeln. „Die Technologie an sich ist nicht neu, aber es ist bisher nicht viel in sie investiert worden. Jetzt, mit strengen EU-Vorschriften und einem Schub in Richtung Kreislaufwirtschaft, schießt die Nachfrage nach dieser Art von Recycling in die Höhe“, erklärt er.

Abschließender Rat: den eigenen Weg in der Welt der Rohstoffe finden

Für alle, die in die Welt des Rohstoffhandels einsteigen wollen, hat Boudewijn einen klugen Rat. „Versuchen Sie, bei einem großen oder etablierten Unternehmen im Rohstoffhandel unterzukommen. Es spielt keine Rolle, mit welchem Rohstoff Sie anfangen, denn die Fähigkeiten, die Sie lernen, sind übertragbar. Entscheidend ist, die physischen Ströme zu verstehen und wie sie die Märkte beeinflussen“, rät er.

Boudewijns Weg von den Handelsparketten bei Cargill bis zur Clean-Tech-Revolution ist ein Beleg für die vielfältigen Möglichkeiten im Rohstoffsektor. Ob Sie die analytischen Herausforderungen des Handels reizen oder der Unternehmergeist, etwas Neues aufzubauen: Boudewijns Geschichte zeigt, dass die Welt der Rohstoffe weit, dynamisch und voller Potenzial ist.

Hören Sie die ganze Folge, um mehr über Boudewijns Weg und seine Einblicke in die Welt des Rohstoffhandels zu erfahren:

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Was ist der Strong Source Podcast?

Unsere Mission mit dem Strong Source Podcast ist es, zu informieren und Wissen zu vermitteln, indem wir eine Community schaffen, in der Fachleute und Gäste aus der gesamten Rohstoffbranche ihre eigene Sicht teilen können. Martijn Bron, früherer Kakaohändler, und Alexander Sterk, früherer Händler für Milchprodukte und Gründer von Vesper, verbindet eine tiefe Leidenschaft für diese Branche, und daraus ist dieses Projekt entstanden: „Wir teilen unsere persönlichen Erfahrungen, die wertvollen Lektionen, die wir unterwegs gelernt haben, und geben Ihnen einen Vorgeschmack darauf, was in unseren nächsten Folgen kommt.“ Dieser Podcast wird unterstützt von Vesper, der führenden Rohstoffplattform (www.vespertool.com).