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EU setzt Auditplan für Brasiliens Geflügelsperre und eröffnet Entenstreit mit China

Die EU hat der Aussetzung brasilianischen Geflügels einen festen Auditkalender gegeben und ein Antidumpingverfahren gegen chinesische Enteneinfuhren eröffnet.

Megan Hidden
Megan HiddenMarketing-Koordinatorin
6. August 20262 Min. Lesezeit

Brasiliens Ausschluss vom EU-Markt für Geflügel hat nun konkrete Termine. Die Europäische Kommission hat ein Vor-Ort-Audit des brasilianischen Kontrollsystems für die Woche ab dem 24. August bestätigt, vorläufige Erkenntnisse für den 14. September und einen Abschlussbericht kaum vor Ende September. Selbst ein günstiges Ergebnis braucht noch die Zustimmung des Ständigen Ausschusses für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel, der das nächste Mal am 19. November zusammentritt. Die Aussetzung selbst gilt ab dem 3. September und dürfte mindestens bis zu dieser Abstimmung laufen, womit rund ein Viertel der für die EU bestimmten brasilianischen Geflügellieferungen in der Schwebe hängt.

Das Audit umfasst vorerst nur Geflügel. Kurze Produktionszyklen machen die Prüfung der Konformität einfacher als bei Rindfleisch, wo der mehrjährige Zyklus der Tiere auf eine längere und unsicherere Aussetzung hindeutet. Brasiliens Landwirtschaftsministerium erklärt, es habe bereits vollständige Unterlagen zu Kontrollen, Rückverfolgbarkeit und Zertifizierung eingereicht, und nennt den Zeitplan der EU unangemessen. Brasilianische Exporteure sehen in der Verzögerung faktisch ein nichttarifäres Handelshemmnis. Der Streit fällt zusammen mit einer innenpolitischen Auseinandersetzung über ein Verbot antimikrobieller Leistungsförderer zur Erfüllung der EU-Vorgaben und passt schlecht zum seit Mai geltenden Handelsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur, das die Beziehungen beider Blöcke vertiefen soll.

Ein weiteres Handelsverfahren wurde diese Woche eröffnet, mit längerem Horizont. Die Europäische Kommission hat eine Antidumpinguntersuchung zu Einfuhren chinesischer Pekingenten eingeleitet, nach einer Beschwerde von fünf EU-Erzeugern, wonach chinesische Importe ihren Absatz, ihre Preise und ihren Marktanteil geschädigt hätten. Der EU-Markt für Ente ist rund 800 Millionen EUR im Jahr wert, chinesische Einfuhren machen davon etwa ein Viertel aus. Die Beschwerde argumentiert, chinesische Erzeuger profitierten von staatlicher Unterstützung bei Land, Energie und Futter, weshalb die Kommission einen konstruierten “Normalwert” statt tatsächlicher Inlandspreise als Maßstab heranziehen wird. Werden Dumping und Schädigung bestätigt, könnten Zölle auf chinesische Ente in jeder Form folgen. Chinesische Branchenverbände halten dagegen, ihr Kostenvorteil sei strukturell und hänge an der schnell wachsenden Rasse Cherry Valley statt an Subventionen; das Verfahren dürfte rund ein Jahr dauern.

Abseits der Handelspolitik ist das Seuchenbild uneinheitlich. Die Newcastle-Krankheit breitet sich in Spanien weiter aus, während Deutschland nach längerer Ruhe den ersten HPAI-Fall dieses Halbjahres verzeichnet hat. In den Niederlanden und Belgien flacht der Broilermarkt wie erwartet ab, und die thailändischen Exportpreise haben sich bis auf wenige Dollar je Tonne an die belgischen Niveaus angenähert, ein ungewöhnlich enger Abstand.

Der mittelfristige Ausblick für europäische Hähnchenpreise bleibt konstruktiv, sofern die brasilianische Aussetzung Bestand hat, denn sie würde das Angebot für EU-Verarbeiter verknappen, während sie Brasilien zugleich zwingt, Mengen in bereits bediente Märkte umzulenken.

Dieser Nachrichtenartikel ist Teil einer umfassenderen Vesper-Marktanalyse zum globalen Geflügelmarkt. Die vollständige Marktanalyse finden Sie unter: https://app.vespertool.com/market-analysis/3303