Warum Commodity-Intelligence-Plattformen für FMCG-Einkaufsleiter immer wichtiger werden: vier zentrale Treiber

Erfahren Sie, wie Commodity-Intelligence-Plattformen für Agrarrohstoffe die Einkaufsstrategien von FMCG-Einkaufsleitern revolutionieren.

Megan Hidden
Megan HiddenMarketing-Koordinatorin
Veröffentlicht 15. Juli 2024 · Aktualisiert 2. Oktober 20248 Min. Lesezeit

In der schnelllebigen Welt der Fast-Moving Consumer Goods (FMCG) ist es entscheidend, Markttrends früh zu erkennen und Kaufentscheidungen fundiert zu treffen. Knapp 40 % der Unternehmen dieser Branche nutzen inzwischen Tools für Rohstoff-Marktintelligenz, die wertvolle Erkenntnisse für die Optimierung von Einkaufsstrategien, die Verfeinerung von Preismodellen und die Steigerung der Profitabilität liefern.

Diese Tools sind für Einkaufsleiter in einem immer stärker umkämpften Markt unverzichtbar geworden. Indem sie komplexe Daten in umsetzbare Erkenntnisse verwandeln, ermöglichen sie es ihren Nutzern, Zeit zu sparen, die Verhandlungsposition zu stärken und gut informierte Entscheidungen zu treffen, die die Margen erhöhen und das Geschäft voranbringen.

In diesem Artikel gehen wir den vier zentralen Gründen nach, warum Commodity-Intelligence-Plattformen für FMCG-Einkaufsleiter unverzichtbar geworden sind. Wir zeigen ihre wichtigsten Vorteile auf und betrachten ihre wachsende Bedeutung für die Branche.

1. Die zunehmende Komplexität globaler Lieferketten

Die globale Handelswirtschaft ist kein neues Phänomen, doch ihr Umfang und ihre Wirkung sind in den vergangenen Jahrzehnten exponentiell gewachsen. Besonders der FMCG-Lebensmittelsektor ist von komplexen globalen Lieferketten geprägt. Unternehmen beziehen Rohstoffe aus verschiedenen Teilen der Welt, jeweils mit eigener Marktdynamik, eigenen Risiken und eigenen Chancen. Diese Handelsströme zu steuern verlangt ausgereifte Werkzeuge, die umfassende Echtzeitdaten zu unterschiedlichen Rohstoffen liefern können.

Dieser Wandel lässt sich auf mehrere zentrale Faktoren zurückführen. Technologische Fortschritte im Transport- und Kommunikationswesen haben die Hürden für den globalen Handel drastisch gesenkt. Die Containerschifffahrt etwa hat die Bewegung großer Warenmengen über die Ozeane revolutioniert. Seit das erste Containerschiff 1956 auslief, ist die Containerschifffahrt auf einen Anteil von 90 % des Welthandels angewachsen.

Handelsabkommen wie das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) und die Gründung der Europäischen Union (EU) haben den Handel zwischen den Mitgliedsländern erleichtert, indem sie Zölle senkten und Vorschriften vereinheitlichten. Der Handel zwischen den USA, Kanada und Mexiko stieg dank NAFTA beispielsweise von 290 Milliarden US-Dollar im Jahr 1993 auf über 1,1 Billionen US-Dollar im Jahr 2016.

Schwellenmärkte, besonders in Ländern wie China und Indien, sind zu Produktionszentren geworden, die Waren zu wettbewerbsfähigen Preisen liefern. Chinas Anteil an den globalen Ausfuhren schnellte von 1,8 % im Jahr 1980 auf 13,2 % im Jahr 2018, was die Bedeutung dieser Märkte für den Welthandel unterstreicht.

Auch die Verbrauchernachfrage spielt eine entscheidende Rolle. Da Geschmäcker und Vorlieben immer globaler werden, wächst die Nachfrage nach vielfältigen Produkten und drängt Unternehmen dazu, Zutaten und Waren aus aller Welt zu beziehen.

Zentraler Vorteil: gebündelte Daten aus der ganzen Welt

Während die Welt zu einem vernetzten Markt zusammenwächst, sind Commodity-Intelligence-Plattformen unverzichtbar geworden. Sie bieten einen umfassenden Überblick über globale Handelsrouten und Preise und machen den Handel dadurch verständlicher und überschaubarer. Indem sie Daten zu Produktion, Verbrauch und Handelsströmen aus verschiedenen Quellen bündeln, eröffnen diese Plattformen einen weiten Blick auf die globalen Marktbedingungen. Das ermöglicht es Unternehmen, die Marktdynamik in unterschiedlichen Regionen zu verstehen, und erleichtert damit letztlich fundiertere und strategischere Handelsentscheidungen.

2. Klimawandel und Wetterschwankungen

Unbeständige Wetterbedingungen sind für Unternehmen an den Rohstoffmärkten zu einer erheblichen Herausforderung geworden. Der Klimawandel, ausgelöst durch menschliches Handeln, hat die Häufigkeit von Extremwetterereignissen erhöht und die Vegetationsperioden verschoben. Das bedroht die Ernährungssicherheit und verstärkt die Volatilität der Rohstoffpreise. Diese unvorhersehbaren Ereignisse können die Produktion und Verfügbarkeit von Rohstoffen stören und so zu Preissprüngen und Problemen in der Lieferkette führen.

Die globalen Durchschnittstemperaturen sind im vergangenen Jahrhundert stetig gestiegen, bei einer deutlichen Zunahme von Häufigkeit und Intensität extremer Wetterereignisse. Nach Angaben der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) war 2023 eines der heißesten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen, mit globalen Temperaturen von durchschnittlich 1,1 °C über dem vorindustriellen Niveau. Dieser Temperaturanstieg hatte tiefgreifende Folgen für die Agrarproduktion.

Dürren sind in wichtigen Agrarregionen häufiger geworden. Die Dürre von 2022 im amerikanischen Mittleren Westen führte etwa zu einem Rückgang der Maisproduktion um 8 % gegenüber dem Vorjahr. Diese Knappheit trieb die Maispreise um 15 % nach oben. Auch Starkregen und Überschwemmungen haben erhebliche Schäden an den Kulturen verursacht. 2021 gingen bei den Überschwemmungen in der chinesischen Provinz Henan, einem zentralen Getreideanbaugebiet, über 9,7 Millionen Acres Anbaufläche verloren. In der Folge stiegen die globalen Getreidepreise für Weizen und Mais um 10 bis 15 %.

Auch andere Rohstoffe hat das Wetter der letzten Zeit schwer getroffen. Am Olivenölmarkt etwa sind die Preise wegen der Dürren in Spanien, dem weltgrößten Olivenölproduzenten, deutlich gestiegen. Spanien verzeichnete im Agrarjahr 2022/2023 einen drastischen Produktionsrückgang, der zu einem Einbruch der Erzeugung um 50 % führte. Dieser Angebotsrückgang hat die Olivenölpreise auf Rekordhöhen getrieben. Auch in Portugal fiel die Produktion aufgrund extremer Dürren um 40 %, was die Knappheit weiter verschärfte und die Preise nach oben drückte.

Ebenso hat der Kakaomarkt unter den ungünstigen Wetterbedingungen gelitten. Im ersten Halbjahr 2024 stiegen die Kakaopreise dramatisch um 153 %, getrieben von schlechtem Wetter in Westafrika, der wichtigsten Kakaoanbauregion. Dürren und unregelmäßige Regenfälle in Ghana und der Côte d’Ivoire schmälerten die Kakaoerträge erheblich und führten zu einem deutlichen Angebotsdefizit. Diese Angebotsknappheit hat, zusammen mit logistischen Problemen und Pflanzenkrankheiten, zu einem Rückgang der Kakaoausfuhren um 35 % aus der Côte d’Ivoire und um 49 % aus Ghana geführt.

Der Rückgang der Kakaoproduktion führte außerdem zu einem deutlichen Rückgang der Ausfuhren aus den wichtigsten Erzeugerregionen, der Côte d’Ivoire und Ghana. Die Côte d’Ivoire verzeichnete einen Rückgang der Ausfuhren um 35 %, wobei die Mengen von rund 690.000 Tonnen im ersten Quartal 2023 auf 445.000 Tonnen im ersten Quartal 2024 sanken. Ghana erlebte einen Rückgang der Ausfuhren um 49 %, wobei die Mengen von rund 250.000 Tonnen im ersten Quartal 2023 auf 127.000 Tonnen im ersten Quartal 2024 fielen.

Zentraler Vorteil: satellitengestützte Analysen und Wetterprognosen

Schwere Wetterereignisse unterstreichen die Bedeutung von Commodity-Intelligence-Plattformen. Diese Plattformen versorgen Unternehmen mit Echtzeitdaten und fortgeschrittenen Analysen, um wetterbedingte Störungen und Marktvolatilität zu bewältigen. Indem sie präzise Wetterprognosen liefern und die Bedingungen laufend beobachten, ermöglichen sie es Unternehmen, Störungen vorauszusehen und die Lieferketten entsprechend anzupassen. Das hilft, die Folgen für Produktion und Preise abzufedern, und sorgt für einen reibungsloseren Betrieb und ein besseres Risikomanagement.

3. Geopolitische Spannungen

Geopolitische Ereignisse können an den Rohstoffmärkten erhebliche Volatilität auslösen, Lieferketten stören und zu starken Preisschwankungen führen. Die Konflikte der letzten Jahre haben die globalen Märkte tiefgreifend geprägt. Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland etwa hat die Lieferketten schwer gestört, denn auf diese beiden Länder entfallen knapp 30 % der globalen Weizenausfuhren. Allein im ersten Halbjahr 2022 stiegen die globalen Weizenpreise um über 40 %, was die Ernährungssicherheit beeinträchtigte und die Kosten für weizenabhängige Branchen erhöhte.

Ähnlich hat der Konflikt zwischen Israel und Palästina die Rohstoffpreise beeinflusst. Im Zuge einer jüngeren Eskalation stieg der Preis für Brent-Rohöl auf 90,13 US-Dollar pro Barrel, ein Dreijahreshoch, getrieben von der Sorge um Lieferausfälle. Höhere Ölpreise erhöhten die Transport- und Produktionskosten für verschiedene Rohstoffe, darunter Pflanzenöle, was aufgrund gestiegener Produktionskosten und der Unsicherheit am Markt zu einem Anstieg der Preise für Pflanzenöle und andere Agrarrohstoffe um 5 bis 10 % führte.

Geopolitische Spannungen zeigen sich häufig in Form von Wirtschaftssanktionen und Handelsbeschränkungen, die die Marktvolatilität zusätzlich verstärken können. Die Handelsspannungen zwischen den USA und China etwa führten zu deutlichen Schwankungen bei den Preisen verschiedener Rohstoffe, darunter Sojabohnen. Als China 2018 Zölle auf US-Sojabohnen erhob, brachen die Preise um knapp 20 % ein, was US-Landwirte und die globalen Märkte traf. Diese Handelsstörungen zeigen, wie eng die globalen Märkte verflochten sind und welche Kettenwirkungen geopolitische Entscheidungen auf die Rohstoffpreise haben.

Zentraler Vorteil: Echtzeit-Nachrichten zu Handelspolitik, Einfuhrzöllen, Handelsabkommen und Sanktionen

Um die Risiken geopolitischer Ereignisse zu steuern, verlassen sich Unternehmen zunehmend auf Commodity-Intelligence-Plattformen. Diese Plattformen liefern globale Nachrichten in Echtzeit und damit aktuelle Informationen zu politischen Entwicklungen, die Unternehmen helfen, über mögliche Risiken und Chancen im Bild zu bleiben. Sie geben außerdem Einblick in die Handelspolitik, einschließlich der neuesten Einfuhrzölle, Handelsabkommen und Sanktionen. Das ermöglicht es Unternehmen, Veränderungen vorauszusehen und wirksam darauf zu reagieren. Fortgeschrittene Analysewerkzeuge helfen Unternehmen dabei, die möglichen Auswirkungen geopolitischer Ereignisse auf Rohstoffpreise und Verfügbarkeit einzuschätzen, was die strategische Planung und Entscheidungsfindung verbessert.

4. Digitale Transformation und datengetriebene Entscheidungen

Zukunftsweisende Technologien wie künstliche Intelligenz (KI), Machine Learning, Blockchain und Sensoren des Internets der Dinge (IoT) revolutionieren den Einkauf von Agrarrohstoffen. Diese digitale Transformation ist für moderne Unternehmen unverzichtbar und verändert Abläufe und Entscheidungsprozesse von Grund auf. Sie macht den klassischen Einkauf vorausschauender, transparenter und effizienter. Für FMCG-Einkaufsleiter ist die Einführung dieser Technologien entscheidend, da der Druck wächst, Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern.

KI steht an der Spitze dieser Revolution, besonders bei der Prognose von Preisen, Beständen und Produktion. Durch die Analyse von historischen Preisdaten, Markttrends und externen Wirtschaftsindikatoren können KI-Algorithmen künftige Preise mit bemerkenswerter Genauigkeit vorhersagen. Diese Vorausschau erlaubt es Einkaufsprofis, gut informierte Entscheidungen über den Zeitpunkt von Käufen zu treffen und so die besten Preise zu sichern und die Kostenersparnis zu maximieren.

Machine Learning ergänzt die KI, indem es die Fähigkeiten der Datenanalyse erweitert. Es verarbeitet große Datenmengen in kurzer Zeit und erkennt Muster und Abweichungen, die menschlichen Analysten entgehen könnten. Diese Analysetiefe befähigt Einkaufsprofis zu strategischeren Entscheidungen über Lieferantenleistung, Risikofaktoren und Marktbedingungen. Machine Learning glänzt nicht nur in der vorausschauenden Analyse, sondern automatisiert auch Routineaufgaben wie Rechnungsverarbeitung, Auftragsabgleich und Vertragsverwaltung nahtlos, was die Effizienz steigert und menschliche Fehler verringert.

Die Blockchain-Technologie verändert den Einkauf zusätzlich, indem sie unvergleichliche Transparenz und Rückverfolgbarkeit schafft. Dieses dezentrale und unveränderliche Register hält jede Transaktion transparent fest und macht es leicht, Herkunft und Weg der Waren nachzuvollziehen. Erhöhte Sicherheit ist ein weiterer Vorteil, denn die robuste Struktur der Blockchain erschwert das Verändern oder Fälschen von Einträgen und senkt so das Betrugsrisiko, während das Vertrauen zwischen den Beteiligten wächst. Darüber hinaus setzen Smart Contracts (selbst ausführende Vereinbarungen, in deren Code die Vertragsbedingungen hinterlegt sind) Absprachen automatisch durch und führen sie aus. Das macht Vermittler entbehrlich und beschleunigt den Einkaufsprozess.

IoT-Sensoren bringen Überwachung in Echtzeit in den Einkauf. Diese Sensoren liefern minutenaktuelle Daten zu Zustand und Standort von Waren im Transit und helfen dabei, Sendungen zu verfolgen, Lagerbestände zu überwachen und den sachgerechten Umgang mit empfindlichen Gütern sicherzustellen. Vorausschauende Wartung ist ein weiterer Vorzug, denn IoT-Sensoren können Zustand und Leistung der in der Produktion eingesetzten Maschinen überwachen, Ausfälle verhindern und die Lebensdauer der Anlagen verlängern, was für einen reibungslosen Betrieb sorgt. Zudem optimieren IoT-Daten verschiedene Aspekte der Lieferkette, etwa die Routenplanung für Lieferungen, die Lagerverwaltung und den Energieverbrauch, was zu deutlichen Kosteneinsparungen und höherer Effizienz führt.

Zentraler Vorteil: KI-generierte Preisprognosen und fortgeschrittenes Machine Learning

Für Unternehmen, die die digitale Transformation zu ihrem Vorteil nutzen wollen, sind Commodity-Intelligence-Plattformen unverzichtbar. Sie liefern umfassende Datenanalysen, KI-generierte Prognosen und Erkenntnisse in Echtzeit, die datengetriebene Entscheidungen stützen. Besonders wertvoll ist das im FMCG-Sektor, wo die Margen knapp sind und die Fähigkeit, schnell auf Marktveränderungen zu reagieren, einen erheblichen Wettbewerbsvorsprung verschaffen kann. Wer diese Werkzeuge nutzt, kann die eigene Beweglichkeit erhöhen und die Einkaufsstrategien wirksam optimieren.

Von der Steuerung komplexer globaler Lieferketten über den Umgang mit den Folgen des Klimawandels bis zum Verfolgen geopolitischer Entwicklungen und dem Nutzen der digitalen Transformation: Diese Plattformen bieten umfassende Lösungen, die im heutigen Markt unverzichtbar sind. Weitere Erkenntnisse zur Optimierung Ihrer Einkaufsstrategien finden Sie in unserem Artikel Die 10 besten Rohstoff-Tools für 2024: die endgültige Liste, der die besten verfügbaren Werkzeuge genauer beleuchtet.